Die Grenzen zwischen IT und Business verschwimmen - diesmal wirklich: Das Geschäft ist digital, viele IT-Bereiche haben Produktverantwortung. Das sind doch gute Nachrichten für die Unternehmens-IT, oder? Im Prinzip ja, aber ...

Am 11. Juni 2014 traten Taxi-Fahrer in vielen westeuropäischen Hauptstädten kurzzeitig in den Ausstand. Mit dieser Aktion protestierten sie dagegen, dass ihre jüngste Konkurrenz, die Betreiber und Nutzer einer mobilen App namens Uber, weitgehend schranken- und regellos in ihren Revieren wildern darf. So legitim der Verweis auf fehlende Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollmöglichkeiten auch ist - hinter dieser Aktion stand augenscheinlich noch ein anderes Ziel: Sie war auch der Versuch, das seit Jahrzehnten auf Taxizentralen, -ständen und -rufnummern basierende Geschäft zu schützen.

Doch Apps wie "MyTaxi" weisen den Weg, den das gesamte Business über kurz oder lang geht: Handel, Service und letztlich auch die Fertigungsindustrie werden von einer digitalen Monsterwelle überrollt. Was haben klassische Unternehmen dem entgegenzusetzen? Nicht viel! Wer sich gegen diese Welle stemmt, wird zerrissen, entwurzelt, weggespült.

Die Überlebenschance besteht darin, die Welle zu reiten. Aber wie kommt man hinauf, wenn man noch nie auf einem Surfbrett gestanden hat? Und wer sagt einem, welche Welle den Surfer besonders weit trägt, oder: wie sich die Mechanismen digitaler Märkte beherrschen lassen und welche Risiken dafür eingegangen werden müssen?

Falsche Prioritäten

In vielen Unternehmen wenden sich die Geschäftsleitungen erwartungsvoll an ihre IT-Organisationen. Doch auch dort sind über Jahre gewachsene Strukturen, Prozesse und Rollenverständnisse tief verwurzelt. Ob Analysten, Berater oder die CIOs selbst, alle wissen: Einem Elefanten bringt man nicht so einfach das Surfen bei.

In der jüngeren Vergangenheit haben die unternehmensinternen IT-Bereiche vor allem mit Zuverlässigkeit und Effizienz gepunktet. Im diesjährigen "IT-Kompass", der breit angelegten Anwenderstudie von IDC und COMPUTERWOCHE, nannten die IT-Entscheider als ihre wichtigsten Aufgaben die Gewährleistung von IT-Sicherheit sowie die Standardisierung und Konsolidierung der IT-Landschaft.

IT-Budgets außerhalb der IT

All das ist wichtig. Um aber die Digitalisierung des Unternehmens voranzutreiben, wären andere Themen wichtiger: zum Beispiel die Unterstützung mobiler Arbeitsplätze, die Absicherung von Entscheidungen durch Analytics-Tools oder die Einbindung sozialer Medien. Viele IT-Manager priorisieren diese Themen noch nicht, weshalb Topmanager mit ihrer internen IT oft unzufrieden sind.

Einer aktuellen Studie von Forrester Research zufolge ("Was der europäische CEO von seiner IT braucht") ist für die Unternehmenslenker die Technik "zu wichtig, um sie allein der IT zu überlassen". Ihnen zufolge reagiert die IT zu langsam auf Veränderungen des Business.

Die Fachbereiche denken ähnlich und richten sich ihre eigenen IT-Umgebungen ein. Laut Forrester beschafft sich ein Drittel der Business-Manager ein Gutteil seiner IT-Services selbst. Häufig kolportiert wird auch die Prognose des Forrester-Konkurrenten Gartner, wonach die IT-Budgets in Fachbereichen wie Marketing oder Vertrieb 2017 höher sein werden als in der IT selbst. CIOs glauben meist nicht daran, können aber nicht umhin, die Existenz einer "Schatten-IT" anzuerkennen.

Quellennachweis CIO Zeitschrift

 

 

04.08.2014 | 3411 Aufrufe

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